Bauwinkel

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Winkelverbinder und Schwerlastwinkel für Profis

In der Welt des professionellen Holz- und Ingenieurbaus sind Verbindungen oft die kritischsten Punkte einer Konstruktion. Egal ob im klassischen Dachstuhl, im Carportbau, bei industriellen Regalsystemen oder in der öffentlichen Infrastruktur – die Qualität der Knotenpunkte entscheidet über die Langlebigkeit und Sicherheit des gesamten Bauwerks. Winkelverbinder und Schwerlastwinkel sind hierbei weit mehr als bloße gebogene Blechstücke; sie sind hochspezialisierte Bauteile, die komplexe Kräfte übertragen und strengen normativen Anforderungen genügen müssen.

Grundlagen der Verbindungstechnik: Warum der Winkel entscheidet

Die statische Integrität von Holzkonstruktionen hängt maßgeblich davon ab, wie Kräfte von einem Bauteil in das nächste geleitet werden. Holz ist ein organischer Werkstoff, der arbeitet, schwindet und quillt. Ein starrer Winkelverbinder muss diese Bewegungen tolerieren können, ohne dass die Verbindung versagt oder das Holz aufspaltet.

Kraftübertragung und Statik

Ein Winkelverbinder muss in der Lage sein, verschiedene Kraftarten aufzunehmen:

  1. Scherkräfte: Diese wirken parallel zur Befestigungsfläche und versuchen, das verbundene Bauteil "abzuscheren". Dies ist die häufigste Belastung bei Balkenschuhen und einfachen Winkeln.
  2. Zugkräfte: Diese wirken senkrecht zur Befestigungsfläche und versuchen, den Winkel aus der Verankerung zu ziehen (z.B. Windsog bei Dächern).
  3. Kippmomente: Bei hohen Bauteilen oder einseitiger Belastung entstehen Drehbewegungen, die den Winkel auf Biegung beanspruchen.

Für den Einkäufer und Anwender bedeutet dies: Die Dicke des Materials und die Formgebung (z.B. mit oder ohne Sicke) sind keine ästhetischen Fragen, sondern direkte Antworten auf statische Anforderungen. Ein Befestigungswinkel, der im Baumarkt für ein Gartenregal ausreicht, würde bei einer professionellen Dachkonstruktion unter Schneelast katastrophal versagen.

Materialkunde: Stahl ist nicht gleich Stahl

Die Basis fast aller professionellen Winkelverbinder ist Stahl. Doch die Legierung und vor allem die Veredelung entscheiden über den Einsatzort.

Verzinkter Stahl (Sendzimirverzinkung): Hierbei wird das Stahlblech bereits im Walzwerk durch ein Zinkbad geführt (Bandverzinkung), bevor es gestanzt und gebogen wird.

  • Vorteil: Kostengünstig und für den Innenbereich (Nutzungsklasse 1 und 2) meist ausreichend.
  • Nachteil: Die Schnittkanten, die beim Stanzen entstehen, haben eine geringere Zinkschicht, auch wenn der "kathodische Kantenschutz" bis zu einer gewissen Blechdicke wirkt.

Feuerverzinkung (Stückverzinkung): Hier wird der fertige Winkel nach dem Stanzen und Biegen in flüssiges Zink getaucht.

  • Vorteil: Eine deutlich dickere Zinkschicht, die auch Kanten und Bohrlöcher umschließt. Ideal für den geschützten Außenbereich.
  • Nachteil: Durch den dicken Auftrag können Passungen bei sehr präzisen Anwendungen (selten bei Holzbau) schwieriger sein. Zudem ist das Verfahren kostenintensiver.

Edelstahl (V2A / V4A): Für den ungeschützten Außenbereich, in Küstenregionen (salzhaltige Luft) oder in der Industrie bei aggressiver Atmosphäre ist Edelstahl Pflicht.

  • V2A (1.4301): Standard für den Außenbereich (Gartenbau, Spielplätze).
  • V4A (1.4401): Notwendig bei Chlor- oder Salzwasserbelastung sowie in bestimmten Industrieumgebungen.

Die Wahl des falschen Materials ist einer der häufigsten Fehler im Einkauf. Ein sendzimirverzinkter Winkel im ungeschützten Außenbereich wird korrodieren, was nicht nur unschön aussieht, sondern die Tragfähigkeit über die Jahre signifikant reduziert.

Arten von Winkelverbindern und ihre spezifischen Einsatzgebiete

Der Markt bietet eine enorme Vielfalt an Varianten. Um den Kaufprozess zu vereinfachen, kategorisieren wir diese nach ihrer primären Funktion und Belastbarkeit.

1. Standard-Winkelverbinder (Leichte bis mittlere Lasten)

Diese Winkel kommen ohne verstärkende Rippen (Sicken) aus. Sie werden meist aus 2,0 mm oder 2,5 mm starkem Stahl gefertigt.

  • Einsatzgebiete: Möbelbau, leichte Holzkonstruktionen, Fixierung von Kanthölzern, die keine tragende Funktion im Sinne der Gebäudestatik haben (z.B. Unterkonstruktionen für Verkleidungen).
  • Besonderheit: Oft verfügen sie über Langlöcher, um Justierungen während der Montage zu ermöglichen. Dies ist praktisch, reduziert aber die maximal aufnehmbare Scherkraft, da der Bolzen oder die Schraube im Langloch rutschen kann, wenn sie nicht kraftschlüssig genug angezogen ist.

2. Winkelverbinder mit Steg / Sicke (Schwerlast)

Sobald die Belastung steigt, kommt die Geometrie ins Spiel. Eine Sicke ist eine eingeprägte Wölbung im Knick des Winkels.

  • Funktionsweise: Die Sicke wirkt wie eine Versteifung. Sie erhöht das Widerstandsmoment des Winkels gegen Biegung drastisch. Ein 2,5 mm starker Winkel mit Sicke kann oft höhere Lasten aufnehmen als ein 4,0 mm starker Winkel ohne Sicke.
  • Einsatzgebiete: Dachstühle, Carports, Anschluss von Haupt- an Nebenträger, Stützenfüße. Hier sprechen wir oft von "Schwerlastwinkeln".

3. Schwerlastwinkel und Betonanker

Diese Kategorie ist für den Anschluss von Holz an Beton oder Stahl konzipiert.

  • Aufbau: Ein Schenkel ist oft länger und besitzt größere Löcher (z.B. 11 mm oder 13 mm) für Bolzenanker oder Betonschrauben. Der andere Schenkel hat das typische Lochbild für Kammnägel (4 mm oder 5 mm).
  • Einsatzgebiete: Befestigung von Schwellenhölzern auf Bodenplatten (Wandbau), Verankerung von Pfosten auf Fundamenten.

4. Lochplattenwinkel

Diese sind meist flacher und haben ein sehr dichtes Lochraster.

  • Vorteil: Maximale Flexibilität bei der Nagelpositionierung.
  • Einsatzgebiete: Oft im Kreuzverbund eingesetzt, um Knotenpunkte gegen Verdrehen zu sichern.

5. Verstellbare Winkelverbinder

Im Sanierungsbereich, wo Wände oft nicht im 90-Grad-Winkel stehen oder Balken verzogen sind, sind verstellbare Winkel Gold wert.

  • Funktion: Durch Langlöcher in beiden Schenkeln oder spezielle Scharniermechanismen lassen sich Ungenauigkeiten ausgleichen.
  • Achtung: Die Traglastwerte sind hier oft geringer als bei starren Winkeln. Ein Blick in das Datenblatt ist vor der Bestellung zwingend erforderlich.

Schwerlastwinkel im Detail: Konstruktion für maximale Traglast

Der Begriff "Schwerlastwinkel" wird oft inflationär verwendet. Im professionellen Kontext definiert er sich jedoch nicht durch Marketing, sondern durch Newton und Kilonewton. Wenn es darum geht, schwere Balkenlagen zu tragen oder Regalsysteme in der Industrie zu sichern, gelten besondere Regeln.

Die Rolle der Sicke (Verstärkungsrippe)

Technisch gesehen erhöht die Sicke das Flächenträgheitsmoment im kritischen Querschnitt – dem 90-Grad-Knick. Wenn ein Winkel belastet wird, will er sich "aufbiegen". Ohne Sicke muss das flache Material diese Kraft allein aufnehmen. Mit Sicke muss sich das Material nicht nur biegen, sondern auch dehnen und stauchen, was wesentlich mehr Energie erfordert. Für den Anwender bedeutet das: Ein Schwerlastwinkel mit Sicke bietet bei gleichem Materialeinsatz (Gewicht/Preis) eine wesentlich höhere Sicherheit. Er ist effizienter.

Materialstärken im Schwerlastbereich

Während Standardwinkel oft bei 2,0 mm enden, beginnen echte Schwerlastwinkel hier erst. Gängig sind 2,5 mm, 3,0 mm oder sogar 4,0 mm starke Ausführungen.

  • Tipp für Einkäufer: Vergleichen Sie nicht nur den Preis pro Stück, sondern das Gewicht und die Materialstärke. Ein vermeintlich günstiger Schwerlastwinkel, der nur 2,0 mm stark ist, kann Sie am Ende teurer kommen, weil Sie mehr Winkel pro Knotenpunkt benötigen, um dieselbe Statik zu erreichen.

Lochbilder für optimale Kraftverteilung

Ein hochwertiger Schwerlastwinkel zeichnet sich durch ein intelligentes Lochbild aus.

  • Nagellöcher (ø 4-5 mm): Diese sind für Ankernägel (Kammnägel) gedacht. Sie sollten so angeordnet sein, dass die Nägel nicht alle in derselben Holzfaser sitzen, um eine Spaltwirkung des Holzes zu vermeiden.
  • Bolzenlöcher (ø 10-14 mm): Diese dienen dem Anschluss an Beton oder Stahl.
  • Kombilöcher: Gute Winkel bieten beides, um universell einsetzbar zu sein.

Asymmetrische Schenkel

Oft ist bei Schwerlastwinkeln ein Schenkel länger als der andere. Dies hat statische Gründe. Der längere Schenkel bietet mehr Platz für Nägel und kann so höhere Scherkräfte in das Holz einleiten. Der kürzere Schenkel wird oft am Beton verankert, wo ein oder zwei Hochleistungsanker ausreichen. Es ist entscheidend, bei der Montage darauf zu achten, welcher Schenkel wohin gehört, falls die Belastung nicht symmetrisch ist.

Normen, Zertifizierungen und rechtliche Anforderungen

Für öffentliche Aufträge (Schulen, Hallen, Verwaltungsgebäude) und im gewerblichen Bau ist die Verwendung von zertifizierten Produkten oft keine Option, sondern gesetzliche Pflicht. Wer hier spart, riskiert im Schadensfall den Versicherungsschutz und haftet persönlich.

CE-Kennzeichnung und ETA (Europäische Technische Bewertung)

Ein einfacher Winkel aus dem Baumarkt hat oft keine Zulassung für tragende Holzkonstruktionen. Profi-Produkte verfügen über eine ETA (European Technical Assessment) und tragen das CE-Zeichen.

  • Was bedeutet das? Ein unabhängiges Institut hat das Produkt getestet und die Tragfähigkeitswerte (charakteristische Tragfähigkeit) ermittelt. Diese Werte sind öffentlich einsehbar und dienen dem Statiker als Berechnungsgrundlage.
  • Warum ist das wichtig? Ohne ETA darf ein Statiker den Winkel streng genommen nicht in seine Berechnung aufnehmen, oder er müsste mit extrem hohen Sicherheitsabschlägen rechnen, was die Konstruktion unwirtschaftlich macht.

DIN EN 1995-1-1 (Eurocode 5)

Diese Norm regelt die Bemessung und Konstruktion von Holzbauwerken in Europa. Sie schreibt vor, welche Sicherheitsbeiwerte zu nutzen sind und wie Verbindungen ausgeführt werden müssen. Winkelverbinder, die "nach Eurocode 5 bemessen" sind, passen nahtlos in die Berechnungssoftware von Architekten und Ingenieuren.

Korrosionsschutzklassen

Die Norm definiert auch Nutzungsklassen (NKL), die bestimmen, welcher Korrosionsschutz notwendig ist:

  • NKL 1 (Innenbereich, beheizt): Sendzimirverzinkt reicht aus.
  • NKL 2 (Überdachter Außenbereich, z.B. Carport): Feuerverzinkt ist empfohlen, gute Sendzimirverzinkung kann ausreichen (je nach Schichtdicke).
  • NKL 3 (Freibewitterung): Edelstahl ist fast immer erforderlich oder spezielle hochkorrosionsbeständige Beschichtungen (Zink-Magnesium o.ä.).

Für den Einkauf in der öffentlichen Hand ist die Einhaltung dieser Normen oft ein Ausschlusskriterium in Ausschreibungen. Achten Sie daher immer auf die technischen Datenblätter und Leistungserklärungen (DoP - Declaration of Performance) der Händler.

Auswahlkriterien: Den richtigen Winkel für Ihr Projekt finden

Die schiere Menge an verfügbaren Größen (von 40x40 mm bis 200x200 mm und darüber hinaus) kann verwirrend sein. Nutzen Sie diese Entscheidungshilfe, um das Sortiment einzugrenzen.

Schritt 1: Untergrund bestimmen

  • Holz auf Holz: Hier benötigen Sie Winkel mit vielen kleinen Löchern (4-5 mm) für Kammnägel. Beide Schenkel sollten gleichmäßig genagelt werden.
  • Holz auf Beton/Mauerwerk: Sie brauchen Winkel mit mindestens einem oder zwei großen Löchern (10-14 mm) im entsprechenden Schenkel für Bolzenanker oder Klebedübel.
  • Holz auf Stahl: Ähnlich wie Beton, hier werden oft Maschinenschrauben verwendet.

Schritt 2: Lastrichtung und Lastgröße

  • Wirkt nur eine Haltekraft (Lagesicherung, z.B. Kippschutz für ein Regal)? -> Ein einfacher Winkel ohne Sicke reicht oft, 2,0 mm Stärke.
  • Wirkt eine tragende Last (z.B. Auflager eines Balkens)? -> Zwingend Schwerlastwinkel mit Sicke verwenden, 2,5 mm oder 3,0 mm Stärke. Konsultieren Sie im Zweifel die Lasttabellen des Herstellers.

Schritt 3: Holzdimensionen

Der Winkel darf nicht breiter sein als das Holz.

  • Faustregel: Die Höhe des Winkels sollte mindestens 2/3 der Höhe des Nebenträgers betragen, um ein Verdrehen zu verhindern.
  • Beispiel: Bei einem 160 mm hohen Deckenbalken sollte der Winkel idealerweise ca. 100-120 mm hoch sein. Ein winziger 40 mm Winkel würde hier statisch kaum etwas bewirken.

Schritt 4: Umgebungsbedingungen

  • Innenraum/Trockenbau: Verzinkt.
  • Carport/Dachüberstand: Feuerverzinkt oder Zink-Magnesium.
  • Garten/Terrasse/Küste: Edelstahl A2 oder A4.

Schritt 5: Montageeffizienz

Für große Projekte (z.B. 500 Winkel in einer Lagerhalle) spielt die Montagezeit eine Rolle.

  • Gibt es Winkel mit "Fixierhilfe" (kleine Krallen, die den Winkel im Holz vorfixieren, bevor man nagelt)?
  • Sind die Löcher so angeordnet, dass man mit dem Akkuschrauber gut hinkommt, ohne schräg schrauben zu müssen?

Montagepraxis: Schritt-für-Schritt zur sicheren Verbindung

Selbst der beste, ETA-zugelassene Schwerlastwinkel ist wertlos, wenn er falsch montiert wird. Fehler in der Montage sind die häufigste Ursache für Bauschäden im Holzbau. Hier ist eine Anleitung für Profis und ambitionierte Anwender.

Die richtigen Verbindungsmittel: Nägel vs. Schrauben

Ein klassischer Fehler ist die Verwendung von normalen Senkkopf-Holzschrauben (Spax o.ä.) in Winkelverbindern.

  • Problem: Normale Schrauben haben einen konischen Kopf. Beim Eindrehen in den Stahlwinkel wirkt dieser wie ein Keil und kann das Loch aufweiten oder den Schraubenkopf abscheren. Zudem ist der Stahl normaler Schrauben oft spröde und nicht für Scherlasten ausgelegt.
  • Lösung: Verwenden Sie Ankernägel (Kammnägel) oder Winkelbeschlagsschrauben.
  • Kammnägel: Haben ein Widerhaken-Profil und ziehen sich extrem fest ins Holz. Sie haben einen flachen Kopf und einen verstärkten Schaft unter dem Kopf, der das Loch im Winkel spielfrei ausfüllt.
  • Winkelbeschlagsschrauben: Haben ebenfalls einen verstärkten Zylinderschaft unter dem Kopf, der exakt in die Löcher der Winkel passt. Sie haben den Vorteil, dass sie wieder demontierbar sind.

Vorbereitung und Positionierung

  1. Markieren: Zeichnen Sie die Position des Winkels exakt an. Bei Serienmontagen lohnt sich eine Schablone.
  2. Kontaktfläche: Stellen Sie sicher, dass Holz und Winkel sauber aufliegen. Ein Spalt zwischen Winkel und Holz reduziert die Tragfähigkeit massiv, da der Nagel dann auf Biegung beansprucht wird ("Nagel im freien Raum").

Das Nageln / Schrauben

Es müssen nicht zwingend alle Löcher ausgenagelt werden – das hängt von der statischen Berechnung ab. Es gibt "Vollausnagelung" und "Teilausnagelung".

  • Teilausnagelung: Spart Zeit und Material, erreicht aber geringere Lastwerte. Hierbei werden oft nur die äußeren Lochreihen genutzt.
  • Randabstände beachten: Nageln Sie niemals zu nah am Holzrand oder Hirnholzende. Eurocode 5 gibt Mindestabstände vor (oft 5- bis 7-facher Nageldurchmesser). Wenn Sie zu nah am Rand nageln, spaltet das Holz, und die Verbindung hält gar nichts.
  • Versetzt nageln: Nutzen Sie das Lochbild so, dass Sie nicht direkt in die gleiche Faser nageln wie beim Loch darüber. Gute Winkel haben daher versetzte Lochreihen.

Montage an Beton

Verwenden Sie zugelassene Bolzenanker oder Betonschrauben.

  • Drehmoment beachten: Ziehen Sie Bolzenanker unbedingt mit dem vorgeschriebenen Drehmoment an. Zu fest = Stahl fließt/Gewinde kaputt; zu locker = kein Halt. Ein Drehmomentschlüssel ist hier Pflichtwerkzeug.
  • Reinigung: Bohrlöcher in Beton müssen vor dem Setzen des Dübels ausgeblasen werden. Bohrstaub wirkt wie ein Schmiermittel und reduziert die Haltekraft um bis zu 50%.

Spezialanwendungen und Sonderlösungen

Abseits vom Standard-Dachstuhl gibt es Situationen, die spezielle Lösungen erfordern.

Akustische Entkopplung

Im modernen Holzbau (z.B. Mehrfamilienhäuser) ist Schallschutz ein riesiges Thema. Ein harter Stahlwinkel überträgt Trittschall perfekt von der Decke in die Wand.

  • Lösung: Es gibt Winkelverbinder mit integrierten Gummielementen oder spezielle Schallschutzunterlagen (Sylomer), die zwischen Winkel und Holz/Beton gelegt werden. Dies muss bereits in der Planung berücksichtigt werden, da sich die statische Höhe minimal ändert.

Thermische Trennung

Stahl leitet Wärme hervorragend. Ein Winkel, der von außen (kalt) nach innen (warm) durchgeht, ist eine Wärmebrücke, an der Kondenswasser entstehen kann.

  • Lösung: Verwendung von thermisch entkoppelten Montagekonsolen oder das Unterlegen von druckfesten Dämmplatten (wenn statisch zulässig) sowie die Verwendung von Edelstahlschrauben, die Wärme schlechter leiten als verzinkter Stahl.

Sichtbare Verbindungen (Design)

Immer öfter bleiben Dachstühle oder Carports unverkleidet. Der Bauherr möchte keine silber glänzenden Industriewinkel sehen.

  • Lösung: Schwarz pulverbeschichtete Winkelverbinder. Diese bieten den gleichen Korrosionsschutz (oft auf verzinkter Basis plus Pulverung) und fügen sich optisch harmonisch in rustikale oder moderne Designs ein ("Industrial Look").

Erdbebensicherheit

In bestimmten Regionen müssen Verbindungen duktil sein, das heißt, sie müssen Energie durch Verformung aufnehmen können, ohne zu brechen. Standardwinkel sind hierfür oft geeignet, aber die Ausnagelung und die Wahl der Nägel (Zähigkeit des Stahls) spielen eine übergeordnete Rolle.

Logistik und Beschaffung für Großprojekte

Für Industrie-Einkäufer und Bauleiter zählt nicht nur das Produkt, sondern die Verfügbarkeit. Ein Baustopp, weil 50 Schwerlastwinkel fehlen, kostet mehr als die Winkel selbst.

Verpackungseinheiten (VPE) und Palettenware

Kaufen Sie vorausschauend. Winkelverbinder werden meist in Kartons zu 25, 50 oder 100 Stück verkauft.

  • Tipp: Prüfen Sie, ob es "Baustellensets" gibt, bei denen die passenden Kammnägel bereits in der richtigen Menge beiliegen. Das verhindert Schwund und stellt sicher, dass die Monteure nicht plötzlich normale Spax-Schrauben verwenden, weil die Nägel ausgegangen sind.

Lagerung auf der Baustelle

Auch verzinkter Stahl kann leiden, wenn er wochenlang im Matsch liegt. Lagern Sie Winkelverbinder trocken und in der Originalverpackung. Weiße Flecken auf der Verzinkung ("Weißrost") sind zwar meist nur ein optischer Mangel, können aber bei Bauherren zu Diskussionen führen.

Preisgestaltung und Qualität

Der Markt ist überschwemmt mit Importware. Achten Sie auf den Stahlstempel.

  • Seriöse Hersteller stempeln ihre Produkte mit dem CE-Zeichen, der Chargennummer und oft dem Herstellercode direkt ins Metall.
  • Bei No-Name-Ware ohne Stempelung ist die Rückverfolgbarkeit nicht gegeben – ein Risiko bei öffentlichen Bauten.

Häufig gestellte Fragen (FAQ) zu Winkelverbindern

Kann ich statt Kammnägeln auch normale Schrauben verwenden? Nein, zumindest nicht für tragende Verbindungen. Normale Schrauben sind nicht auf die Passgenauigkeit im Loch und die Scherfestigkeit ausgelegt. Nutzen Sie Winkelbeschlagsschrauben, wenn Sie schrauben statt nageln wollen.

Was ist der Unterschied zwischen Winkelverbinder und Schwerlastwinkel? Es gibt keine genormte Grenze, aber in der Praxis haben Schwerlastwinkel eine Materialstärke von mindestens 2,5 mm bis 3,0 mm und verfügen über eine Sicke (Verstärkungsrippe). Sie sind für statisch relevante Lasten konstruiert.

Wann brauche ich Edelstahl-Winkel? Sobald die Konstruktion der Witterung ausgesetzt ist (Nutzungsklasse 3), ist Edelstahl dringend empfohlen. Auch bei der Verwendung von gerbstoffhaltigen Hölzern (wie Eiche oder Lärche) kann es bei verzinktem Stahl zu schwarzen Verfärbungen im Holz kommen – hier ist Edelstahl ebenfalls die sicherere Wahl.

Darf ich einen Winkel biegen, wenn er nicht ganz passt? Auf keinen Fall. Das Biegen (Kaltverformung) verändert die Struktur des Stahls und kann Mikrorisse erzeugen, die die Tragfähigkeit massiv herabsetzen. Verwenden Sie stattdessen verstellbare Winkel oder bereiten Sie den Untergrund passend vor.

Wie viele Nägel muss ich pro Winkel verwenden? Das gibt die statische Berechnung oder die Lasttabelle des Herstellers vor. "Viel hilft viel" ist nicht immer richtig, da zu viele Nägel das Holz spalten können. Halten Sie sich an die Vorgaben zur Teil- oder Vollausnagelung.

Sind Winkelverbinder feuerfest? Stahl schmilzt nicht so schnell, verliert aber bei Hitze (Brandfall) schnell an Tragkraft. Für Brandschutzanforderungen (z.B. F30/F60) gibt es spezielle Einbauvorschriften, bei denen die Winkel oft im Holz "versteckt" (eingefräst) oder mit Holzplatten abgedeckt werden müssen, um sie vor direkter Flammenwirkung zu schützen.

Der Kauf von Winkelverbindern und Schwerlastwinkeln ist eine Entscheidung für die Sicherheit. Indem Sie auf zertifizierte Ware (ETA/CE), die korrekte Materialstärke und den passenden Korrosionsschutz achten, legen Sie das Fundament für ein dauerhaftes Bauwerk. Nutzen Sie die Vielfalt der spezialisierten Produkte – vom Sickenwinkel bis zum Schallschutzelement – um nicht nur billig, sondern technisch überlegen zu bauen.

Winkelverbinder bei ESSKA

ESSKA bietet eine breite Auswahl an Winkelverbindern und Schwerlastwinkeln, die auf die Anforderungen von Handwerk, Industrie und öffentlicher Hand zugeschnitten sind. Im Sortiment finden Sie verschiedene Ausführungen, von Standard-Winkeln für leichte und mittlere Lasten bis hin zu zertifizierten Schwerlastwinkeln mit Verstärkungsrippe sowie speziellen Verbindern für die Montage an Beton oder Stahl. Alle Produkte entsprechen strengen Qualitätsstandards und sind in unterschiedlichen Materialausführungen erhältlich – etwa verzinkt, feuerverzinkt oder aus Edelstahl –, sodass sich für jedes Bauprojekt und jede Beanspruchung der passende Winkelverbinder finden lässt. Detaillierte Produktinformationen, technische Datenblätter und Leistungserklärungen (DoP) sind online abrufbar und helfen bei der Auswahl. Neben der großen Auswahl profitieren Kunden bei ESSKA zudem von einer kompetenten Beratung, schnellen Lieferzeiten und maßgeschneiderten Verpackungseinheiten für Projekte jeder Größe.