In der Welt des professionellen Holz- und Ingenieurbaus sind Verbindungen oft
die kritischsten Punkte einer Konstruktion. Egal ob im klassischen Dachstuhl,
im Carportbau, bei industriellen Regalsystemen oder in der öffentlichen
Infrastruktur – die Qualität der Knotenpunkte entscheidet über die
Langlebigkeit und Sicherheit des gesamten Bauwerks. Winkelverbinder und
Schwerlastwinkel sind hierbei weit mehr als bloße gebogene Blechstücke; sie
sind hochspezialisierte Bauteile, die komplexe Kräfte übertragen und strengen
normativen Anforderungen genügen müssen.
Grundlagen der Verbindungstechnik: Warum der Winkel entscheidet
Die statische Integrität von Holzkonstruktionen hängt maßgeblich davon ab, wie
Kräfte von einem Bauteil in das nächste geleitet werden. Holz ist ein
organischer Werkstoff, der arbeitet, schwindet und quillt. Ein starrer
Winkelverbinder muss diese Bewegungen tolerieren können, ohne dass die
Verbindung versagt oder das Holz aufspaltet.
Kraftübertragung und Statik
Ein Winkelverbinder muss in der Lage sein, verschiedene Kraftarten
aufzunehmen:
Scherkräfte: Diese wirken parallel zur Befestigungsfläche
und versuchen, das verbundene Bauteil "abzuscheren". Dies ist die häufigste
Belastung bei Balkenschuhen und einfachen Winkeln.
Zugkräfte: Diese wirken senkrecht zur Befestigungsfläche
und versuchen, den Winkel aus der Verankerung zu ziehen (z.B. Windsog bei
Dächern).
Kippmomente: Bei hohen Bauteilen oder einseitiger Belastung
entstehen Drehbewegungen, die den Winkel auf Biegung beanspruchen.
Für den Einkäufer und Anwender bedeutet dies: Die Dicke des Materials und die
Formgebung (z.B. mit oder ohne Sicke) sind keine ästhetischen Fragen, sondern
direkte Antworten auf statische Anforderungen. Ein Befestigungswinkel, der im
Baumarkt für ein Gartenregal ausreicht, würde bei einer professionellen
Dachkonstruktion unter Schneelast katastrophal versagen.
Materialkunde: Stahl ist nicht gleich Stahl
Die Basis fast aller professionellen Winkelverbinder ist Stahl. Doch die
Legierung und vor allem die Veredelung entscheiden über den Einsatzort.
Verzinkter Stahl (Sendzimirverzinkung): Hierbei wird das
Stahlblech bereits im Walzwerk durch ein Zinkbad geführt (Bandverzinkung),
bevor es gestanzt und gebogen wird.
Vorteil: Kostengünstig und für den Innenbereich
(Nutzungsklasse 1 und 2) meist ausreichend.
Nachteil: Die Schnittkanten, die beim Stanzen entstehen,
haben eine geringere Zinkschicht, auch wenn der "kathodische Kantenschutz"
bis zu einer gewissen Blechdicke wirkt.
Feuerverzinkung (Stückverzinkung): Hier wird der fertige
Winkel nach dem Stanzen und Biegen in flüssiges Zink getaucht.
Vorteil: Eine deutlich dickere Zinkschicht, die auch Kanten
und Bohrlöcher umschließt. Ideal für den geschützten Außenbereich.
Nachteil: Durch den dicken Auftrag können Passungen bei
sehr präzisen Anwendungen (selten bei Holzbau) schwieriger sein. Zudem ist
das Verfahren kostenintensiver.
Edelstahl (V2A / V4A): Für den ungeschützten Außenbereich, in
Küstenregionen (salzhaltige Luft) oder in der Industrie bei aggressiver
Atmosphäre ist Edelstahl Pflicht.
V2A (1.4301): Standard für den Außenbereich (Gartenbau,
Spielplätze).
V4A (1.4401): Notwendig bei Chlor- oder Salzwasserbelastung
sowie in bestimmten Industrieumgebungen.
Die Wahl des falschen Materials ist einer der häufigsten Fehler im Einkauf.
Ein sendzimirverzinkter Winkel im ungeschützten Außenbereich wird korrodieren,
was nicht nur unschön aussieht, sondern die Tragfähigkeit über die Jahre
signifikant reduziert.
Arten von Winkelverbindern und ihre spezifischen Einsatzgebiete
Der Markt bietet eine enorme Vielfalt an Varianten. Um den Kaufprozess zu
vereinfachen, kategorisieren wir diese nach ihrer primären Funktion und
Belastbarkeit.
1. Standard-Winkelverbinder (Leichte bis mittlere Lasten)
Diese Winkel kommen ohne verstärkende Rippen (Sicken) aus. Sie werden meist
aus 2,0 mm oder 2,5 mm starkem Stahl gefertigt.
Einsatzgebiete: Möbelbau, leichte Holzkonstruktionen,
Fixierung von Kanthölzern, die keine tragende Funktion im Sinne der
Gebäudestatik haben (z.B. Unterkonstruktionen für Verkleidungen).
Besonderheit: Oft verfügen sie über Langlöcher, um
Justierungen während der Montage zu ermöglichen. Dies ist praktisch,
reduziert aber die maximal aufnehmbare Scherkraft, da der Bolzen oder die
Schraube im Langloch rutschen kann, wenn sie nicht kraftschlüssig genug
angezogen ist.
2. Winkelverbinder mit Steg / Sicke (Schwerlast)
Sobald die Belastung steigt, kommt die Geometrie ins Spiel. Eine Sicke ist
eine eingeprägte Wölbung im Knick des Winkels.
Funktionsweise: Die Sicke wirkt wie eine Versteifung. Sie
erhöht das Widerstandsmoment des Winkels gegen Biegung drastisch. Ein 2,5 mm
starker Winkel mit Sicke kann oft höhere Lasten aufnehmen als ein 4,0 mm
starker Winkel ohne Sicke.
Einsatzgebiete: Dachstühle, Carports, Anschluss von Haupt-
an Nebenträger, Stützenfüße. Hier sprechen wir oft von "Schwerlastwinkeln".
3. Schwerlastwinkel und Betonanker
Diese Kategorie ist für den Anschluss von Holz an Beton oder Stahl konzipiert.
Aufbau: Ein Schenkel ist oft länger und besitzt größere
Löcher (z.B. 11 mm oder 13 mm) für Bolzenanker oder Betonschrauben. Der
andere Schenkel hat das typische Lochbild für Kammnägel (4 mm oder 5 mm).
Einsatzgebiete: Befestigung von Schwellenhölzern auf
Bodenplatten (Wandbau), Verankerung von Pfosten auf Fundamenten.
4. Lochplattenwinkel
Diese sind meist flacher und haben ein sehr dichtes Lochraster.
Vorteil: Maximale Flexibilität bei der Nagelpositionierung.
Einsatzgebiete: Oft im Kreuzverbund eingesetzt, um
Knotenpunkte gegen Verdrehen zu sichern.
5. Verstellbare Winkelverbinder
Im Sanierungsbereich, wo Wände oft nicht im 90-Grad-Winkel stehen oder Balken
verzogen sind, sind verstellbare Winkel Gold wert.
Funktion: Durch Langlöcher in beiden Schenkeln oder
spezielle Scharniermechanismen lassen sich Ungenauigkeiten ausgleichen.
Achtung: Die Traglastwerte sind hier oft geringer als bei
starren Winkeln. Ein Blick in das Datenblatt ist vor der Bestellung zwingend
erforderlich.
Schwerlastwinkel im Detail: Konstruktion für maximale Traglast
Der Begriff "Schwerlastwinkel" wird oft inflationär verwendet. Im
professionellen Kontext definiert er sich jedoch nicht durch Marketing,
sondern durch Newton und Kilonewton. Wenn es darum geht, schwere Balkenlagen
zu tragen oder Regalsysteme in der Industrie zu sichern, gelten besondere
Regeln.
Die Rolle der Sicke (Verstärkungsrippe)
Technisch gesehen erhöht die Sicke das Flächenträgheitsmoment im kritischen
Querschnitt – dem 90-Grad-Knick. Wenn ein Winkel belastet wird, will er sich
"aufbiegen". Ohne Sicke muss das flache Material diese Kraft allein aufnehmen.
Mit Sicke muss sich das Material nicht nur biegen, sondern auch dehnen und
stauchen, was wesentlich mehr Energie erfordert. Für den Anwender bedeutet
das: Ein Schwerlastwinkel mit Sicke bietet bei gleichem Materialeinsatz
(Gewicht/Preis) eine wesentlich höhere Sicherheit. Er ist effizienter.
Materialstärken im Schwerlastbereich
Während Standardwinkel oft bei 2,0 mm enden, beginnen echte Schwerlastwinkel
hier erst. Gängig sind 2,5 mm, 3,0 mm oder sogar 4,0 mm starke Ausführungen.
Tipp für Einkäufer: Vergleichen Sie nicht nur den Preis pro
Stück, sondern das Gewicht und die Materialstärke. Ein vermeintlich
günstiger Schwerlastwinkel, der nur 2,0 mm stark ist, kann Sie am Ende
teurer kommen, weil Sie mehr Winkel pro Knotenpunkt benötigen, um dieselbe
Statik zu erreichen.
Lochbilder für optimale Kraftverteilung
Ein hochwertiger Schwerlastwinkel zeichnet sich durch ein intelligentes
Lochbild aus.
Nagellöcher (ø 4-5 mm): Diese sind für Ankernägel
(Kammnägel) gedacht. Sie sollten so angeordnet sein, dass die Nägel nicht
alle in derselben Holzfaser sitzen, um eine Spaltwirkung des Holzes zu
vermeiden.
Bolzenlöcher (ø 10-14 mm): Diese dienen dem Anschluss an
Beton oder Stahl.
Kombilöcher: Gute Winkel bieten beides, um universell
einsetzbar zu sein.
Asymmetrische Schenkel
Oft ist bei Schwerlastwinkeln ein Schenkel länger als der andere. Dies hat
statische Gründe. Der längere Schenkel bietet mehr Platz für Nägel und kann so
höhere Scherkräfte in das Holz einleiten. Der kürzere Schenkel wird oft am
Beton verankert, wo ein oder zwei Hochleistungsanker ausreichen. Es ist
entscheidend, bei der Montage darauf zu achten, welcher Schenkel wohin gehört,
falls die Belastung nicht symmetrisch ist.
Normen, Zertifizierungen und rechtliche Anforderungen
Für öffentliche Aufträge (Schulen, Hallen, Verwaltungsgebäude) und im
gewerblichen Bau ist die Verwendung von zertifizierten Produkten oft keine
Option, sondern gesetzliche Pflicht. Wer hier spart, riskiert im Schadensfall
den Versicherungsschutz und haftet persönlich.
CE-Kennzeichnung und ETA (Europäische Technische Bewertung)
Ein einfacher Winkel aus dem Baumarkt hat oft keine Zulassung für tragende
Holzkonstruktionen. Profi-Produkte verfügen über eine
ETA (European Technical Assessment) und tragen das
CE-Zeichen.
Was bedeutet das? Ein unabhängiges Institut hat das Produkt
getestet und die Tragfähigkeitswerte (charakteristische Tragfähigkeit)
ermittelt. Diese Werte sind öffentlich einsehbar und dienen dem Statiker als
Berechnungsgrundlage.
Warum ist das wichtig? Ohne ETA darf ein Statiker den
Winkel streng genommen nicht in seine Berechnung aufnehmen, oder er müsste
mit extrem hohen Sicherheitsabschlägen rechnen, was die Konstruktion
unwirtschaftlich macht.
DIN EN 1995-1-1 (Eurocode 5)
Diese Norm regelt die Bemessung und Konstruktion von Holzbauwerken in Europa.
Sie schreibt vor, welche Sicherheitsbeiwerte zu nutzen sind und wie
Verbindungen ausgeführt werden müssen. Winkelverbinder, die "nach Eurocode 5
bemessen" sind, passen nahtlos in die Berechnungssoftware von Architekten und
Ingenieuren.
Korrosionsschutzklassen
Die Norm definiert auch Nutzungsklassen (NKL), die bestimmen, welcher
Korrosionsschutz notwendig ist:
NKL 1 (Innenbereich, beheizt): Sendzimirverzinkt reicht
aus.
NKL 2 (Überdachter Außenbereich, z.B. Carport):
Feuerverzinkt ist empfohlen, gute Sendzimirverzinkung kann ausreichen (je
nach Schichtdicke).
NKL 3 (Freibewitterung): Edelstahl ist fast immer
erforderlich oder spezielle hochkorrosionsbeständige Beschichtungen
(Zink-Magnesium o.ä.).
Für den Einkauf in der öffentlichen Hand ist die Einhaltung dieser Normen oft
ein Ausschlusskriterium in Ausschreibungen. Achten Sie daher immer auf die
technischen Datenblätter und Leistungserklärungen (DoP - Declaration of
Performance) der Händler.
Auswahlkriterien: Den richtigen Winkel für Ihr Projekt finden
Die schiere Menge an verfügbaren Größen (von 40x40 mm bis 200x200 mm und
darüber hinaus) kann verwirrend sein. Nutzen Sie diese Entscheidungshilfe, um
das Sortiment einzugrenzen.
Schritt 1: Untergrund bestimmen
Holz auf Holz: Hier benötigen Sie Winkel mit vielen kleinen
Löchern (4-5 mm) für Kammnägel. Beide Schenkel sollten gleichmäßig genagelt
werden.
Holz auf Beton/Mauerwerk: Sie brauchen Winkel mit
mindestens einem oder zwei großen Löchern (10-14 mm) im entsprechenden
Schenkel für Bolzenanker oder Klebedübel.
Holz auf Stahl: Ähnlich wie Beton, hier werden oft
Maschinenschrauben verwendet.
Schritt 2: Lastrichtung und Lastgröße
Wirkt nur eine Haltekraft (Lagesicherung, z.B. Kippschutz für ein Regal)?
-> Ein einfacher Winkel ohne Sicke reicht oft, 2,0 mm Stärke.
Wirkt eine tragende Last (z.B. Auflager eines Balkens)? -> Zwingend
Schwerlastwinkel mit Sicke verwenden, 2,5 mm oder 3,0 mm Stärke.
Konsultieren Sie im Zweifel die Lasttabellen des Herstellers.
Schritt 3: Holzdimensionen
Der Winkel darf nicht breiter sein als das Holz.
Faustregel: Die Höhe des Winkels sollte mindestens 2/3 der
Höhe des Nebenträgers betragen, um ein Verdrehen zu verhindern.
Beispiel: Bei einem 160 mm hohen Deckenbalken sollte der Winkel idealerweise
ca. 100-120 mm hoch sein. Ein winziger 40 mm Winkel würde hier statisch kaum
etwas bewirken.
Schritt 4: Umgebungsbedingungen
Innenraum/Trockenbau: Verzinkt.
Carport/Dachüberstand: Feuerverzinkt oder Zink-Magnesium.
Garten/Terrasse/Küste: Edelstahl A2 oder A4.
Schritt 5: Montageeffizienz
Für große Projekte (z.B. 500 Winkel in einer Lagerhalle) spielt die
Montagezeit eine Rolle.
Gibt es Winkel mit "Fixierhilfe" (kleine Krallen, die den Winkel im Holz
vorfixieren, bevor man nagelt)?
Sind die Löcher so angeordnet, dass man mit dem Akkuschrauber gut hinkommt,
ohne schräg schrauben zu müssen?
Montagepraxis: Schritt-für-Schritt zur sicheren Verbindung
Selbst der beste, ETA-zugelassene Schwerlastwinkel ist wertlos, wenn er falsch
montiert wird. Fehler in der Montage sind die häufigste Ursache für Bauschäden
im Holzbau. Hier ist eine Anleitung für Profis und ambitionierte Anwender.
Die richtigen Verbindungsmittel: Nägel vs. Schrauben
Ein klassischer Fehler ist die Verwendung von normalen Senkkopf-Holzschrauben
(Spax o.ä.) in Winkelverbindern.
Problem: Normale Schrauben haben einen konischen Kopf. Beim
Eindrehen in den Stahlwinkel wirkt dieser wie ein Keil und kann das Loch
aufweiten oder den Schraubenkopf abscheren. Zudem ist der Stahl normaler
Schrauben oft spröde und nicht für Scherlasten ausgelegt.
Lösung: Verwenden Sie
Ankernägel (Kammnägel) oder
Winkelbeschlagsschrauben.
Kammnägel: Haben ein Widerhaken-Profil und ziehen sich
extrem fest ins Holz. Sie haben einen flachen Kopf und einen verstärkten
Schaft unter dem Kopf, der das Loch im Winkel spielfrei ausfüllt.
Winkelbeschlagsschrauben: Haben ebenfalls einen verstärkten
Zylinderschaft unter dem Kopf, der exakt in die Löcher der Winkel passt. Sie
haben den Vorteil, dass sie wieder demontierbar sind.
Vorbereitung und Positionierung
Markieren: Zeichnen Sie die Position des Winkels exakt an.
Bei Serienmontagen lohnt sich eine Schablone.
Kontaktfläche: Stellen Sie sicher, dass Holz und Winkel
sauber aufliegen. Ein Spalt zwischen Winkel und Holz reduziert die
Tragfähigkeit massiv, da der Nagel dann auf Biegung beansprucht wird ("Nagel
im freien Raum").
Das Nageln / Schrauben
Es müssen nicht zwingend alle Löcher ausgenagelt werden – das hängt
von der statischen Berechnung ab. Es gibt "Vollausnagelung" und
"Teilausnagelung".
Teilausnagelung: Spart Zeit und Material, erreicht aber
geringere Lastwerte. Hierbei werden oft nur die äußeren Lochreihen genutzt.
Randabstände beachten: Nageln Sie niemals zu nah am
Holzrand oder Hirnholzende. Eurocode 5 gibt Mindestabstände vor (oft 5- bis
7-facher Nageldurchmesser). Wenn Sie zu nah am Rand nageln, spaltet das
Holz, und die Verbindung hält gar nichts.
Versetzt nageln: Nutzen Sie das Lochbild so, dass Sie nicht
direkt in die gleiche Faser nageln wie beim Loch darüber. Gute Winkel haben
daher versetzte Lochreihen.
Montage an Beton
Verwenden Sie zugelassene Bolzenanker oder Betonschrauben.
Drehmoment beachten: Ziehen Sie Bolzenanker unbedingt mit
dem vorgeschriebenen Drehmoment an. Zu fest = Stahl fließt/Gewinde kaputt;
zu locker = kein Halt. Ein Drehmomentschlüssel ist hier Pflichtwerkzeug.
Reinigung: Bohrlöcher in Beton müssen vor dem Setzen des
Dübels ausgeblasen werden. Bohrstaub wirkt wie ein Schmiermittel und
reduziert die Haltekraft um bis zu 50%.
Spezialanwendungen und Sonderlösungen
Abseits vom Standard-Dachstuhl gibt es Situationen, die spezielle Lösungen
erfordern.
Akustische Entkopplung
Im modernen Holzbau (z.B. Mehrfamilienhäuser) ist Schallschutz ein riesiges
Thema. Ein harter Stahlwinkel überträgt Trittschall perfekt von der Decke in
die Wand.
Lösung: Es gibt Winkelverbinder mit integrierten
Gummielementen oder spezielle Schallschutzunterlagen (Sylomer), die zwischen
Winkel und Holz/Beton gelegt werden. Dies muss bereits in der Planung
berücksichtigt werden, da sich die statische Höhe minimal ändert.
Thermische Trennung
Stahl leitet Wärme hervorragend. Ein Winkel, der von außen (kalt) nach innen
(warm) durchgeht, ist eine Wärmebrücke, an der Kondenswasser entstehen kann.
Lösung: Verwendung von thermisch entkoppelten
Montagekonsolen oder das Unterlegen von druckfesten Dämmplatten (wenn
statisch zulässig) sowie die Verwendung von Edelstahlschrauben, die Wärme
schlechter leiten als verzinkter Stahl.
Sichtbare Verbindungen (Design)
Immer öfter bleiben Dachstühle oder Carports unverkleidet. Der Bauherr möchte
keine silber glänzenden Industriewinkel sehen.
Lösung: Schwarz pulverbeschichtete Winkelverbinder. Diese
bieten den gleichen Korrosionsschutz (oft auf verzinkter Basis plus
Pulverung) und fügen sich optisch harmonisch in rustikale oder moderne
Designs ein ("Industrial Look").
Erdbebensicherheit
In bestimmten Regionen müssen Verbindungen duktil sein, das heißt, sie müssen
Energie durch Verformung aufnehmen können, ohne zu brechen. Standardwinkel
sind hierfür oft geeignet, aber die Ausnagelung und die Wahl der Nägel
(Zähigkeit des Stahls) spielen eine übergeordnete Rolle.
Logistik und Beschaffung für Großprojekte
Für Industrie-Einkäufer und Bauleiter zählt nicht nur das Produkt, sondern die
Verfügbarkeit. Ein Baustopp, weil 50 Schwerlastwinkel fehlen, kostet mehr als
die Winkel selbst.
Verpackungseinheiten (VPE) und Palettenware
Kaufen Sie vorausschauend. Winkelverbinder werden meist in Kartons zu 25, 50
oder 100 Stück verkauft.
Tipp: Prüfen Sie, ob es "Baustellensets" gibt, bei denen
die passenden Kammnägel bereits in der richtigen Menge beiliegen. Das
verhindert Schwund und stellt sicher, dass die Monteure nicht plötzlich
normale Spax-Schrauben verwenden, weil die Nägel ausgegangen sind.
Lagerung auf der Baustelle
Auch verzinkter Stahl kann leiden, wenn er wochenlang im Matsch liegt. Lagern
Sie Winkelverbinder trocken und in der Originalverpackung. Weiße Flecken auf
der Verzinkung ("Weißrost") sind zwar meist nur ein optischer Mangel, können
aber bei Bauherren zu Diskussionen führen.
Preisgestaltung und Qualität
Der Markt ist überschwemmt mit Importware. Achten Sie auf den Stahlstempel.
Seriöse Hersteller stempeln ihre Produkte mit dem CE-Zeichen, der
Chargennummer und oft dem Herstellercode direkt ins Metall.
Bei No-Name-Ware ohne Stempelung ist die Rückverfolgbarkeit nicht gegeben –
ein Risiko bei öffentlichen Bauten.
Häufig gestellte Fragen (FAQ) zu Winkelverbindern
Kann ich statt Kammnägeln auch normale Schrauben verwenden?
Nein, zumindest nicht für tragende Verbindungen. Normale Schrauben sind nicht
auf die Passgenauigkeit im Loch und die Scherfestigkeit ausgelegt. Nutzen Sie
Winkelbeschlagsschrauben, wenn Sie schrauben statt nageln wollen.
Was ist der Unterschied zwischen Winkelverbinder und
Schwerlastwinkel?
Es gibt keine genormte Grenze, aber in der Praxis haben Schwerlastwinkel eine
Materialstärke von mindestens 2,5 mm bis 3,0 mm und verfügen über eine Sicke
(Verstärkungsrippe). Sie sind für statisch relevante Lasten konstruiert.
Wann brauche ich Edelstahl-Winkel? Sobald die Konstruktion
der Witterung ausgesetzt ist (Nutzungsklasse 3), ist Edelstahl dringend
empfohlen. Auch bei der Verwendung von gerbstoffhaltigen Hölzern (wie Eiche
oder Lärche) kann es bei verzinktem Stahl zu schwarzen Verfärbungen im Holz
kommen – hier ist Edelstahl ebenfalls die sicherere Wahl.
Darf ich einen Winkel biegen, wenn er nicht ganz passt? Auf
keinen Fall. Das Biegen (Kaltverformung) verändert die Struktur des Stahls und
kann Mikrorisse erzeugen, die die Tragfähigkeit massiv herabsetzen. Verwenden
Sie stattdessen verstellbare Winkel oder bereiten Sie den Untergrund passend
vor.
Wie viele Nägel muss ich pro Winkel verwenden? Das gibt die
statische Berechnung oder die Lasttabelle des Herstellers vor. "Viel hilft
viel" ist nicht immer richtig, da zu viele Nägel das Holz spalten können.
Halten Sie sich an die Vorgaben zur Teil- oder Vollausnagelung.
Sind Winkelverbinder feuerfest? Stahl schmilzt nicht so
schnell, verliert aber bei Hitze (Brandfall) schnell an Tragkraft. Für
Brandschutzanforderungen (z.B. F30/F60) gibt es spezielle Einbauvorschriften,
bei denen die Winkel oft im Holz "versteckt" (eingefräst) oder mit Holzplatten
abgedeckt werden müssen, um sie vor direkter Flammenwirkung zu schützen.
Der Kauf von Winkelverbindern und Schwerlastwinkeln ist eine Entscheidung für
die Sicherheit. Indem Sie auf zertifizierte Ware (ETA/CE), die korrekte
Materialstärke und den passenden Korrosionsschutz achten, legen Sie das
Fundament für ein dauerhaftes Bauwerk. Nutzen Sie die Vielfalt der
spezialisierten Produkte – vom Sickenwinkel bis zum Schallschutzelement – um
nicht nur billig, sondern technisch überlegen zu bauen.
Winkelverbinder bei ESSKA
ESSKA bietet eine breite Auswahl an Winkelverbindern und Schwerlastwinkeln,
die auf die Anforderungen von Handwerk, Industrie und öffentlicher Hand
zugeschnitten sind. Im Sortiment finden Sie verschiedene Ausführungen, von
Standard-Winkeln für leichte und mittlere Lasten bis hin zu zertifizierten
Schwerlastwinkeln mit Verstärkungsrippe sowie speziellen Verbindern für die
Montage an Beton oder Stahl. Alle Produkte entsprechen strengen
Qualitätsstandards und sind in unterschiedlichen Materialausführungen
erhältlich – etwa verzinkt, feuerverzinkt oder aus Edelstahl –, sodass sich
für jedes Bauprojekt und jede Beanspruchung der passende Winkelverbinder
finden lässt. Detaillierte Produktinformationen, technische Datenblätter und
Leistungserklärungen (DoP) sind online abrufbar und helfen bei der Auswahl.
Neben der großen Auswahl profitieren Kunden bei ESSKA zudem von einer
kompetenten Beratung, schnellen Lieferzeiten und maßgeschneiderten
Verpackungseinheiten für Projekte jeder Größe.